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AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus

Von Timo Reinfrank*

Mit dem Projekt „Raum für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe – Mahnen und Beten für unsere Stadt“ ist die Arbeitsgemeinschaft Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus für den diesjährigen Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert. Damit soll eine stille Form des Protests gegen rechte Gewalt etabliert werden.

Der Initiator des Projektes, Pfarrer Karl-Heinz Maischner, zeigte sich sehr erfreut über die Nominierung: „Wir denken, dass unsere Idee sehr gut ist und hoffen, dass unsere Aktionen durch die Öffentlichkeit einen neuen Auftrieb erhalten.“ Die AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bewusstsein für den Wert der Demokratie zu fördern. Sie beobachtet mit Sorge, dass rechtsextremes Denken immer mehr in die „Mitte“ der Gesellschaft vordringt und mittlerweile „salonfähig“ geworden ist. Gegründet wurde die AG, um Gemeindemitglieder für das Problem des Rechtsextremismus zu sensibilisieren und das oftmals konservative Umfeld der Kirche zu aktivem Engagement gegen rechts zu motivieren. Denn auch in Kirch- und Pfarrgemeinden ist in diesem Bereich nach Ansicht von Pfarrer Maischner in der Vergangenheit zu wenig passiert.

„Wir wollten die Christen bei ihren ureigenen Tätigkeiten, dem Beten und Mahnen abholen“, beschreibt Pfarrer Maischner den Gedanken hinter der Aktionsform des Projektes. Seit dem vergangenen Jahr finden in Dresden in enger Kooperation mit örtlichen zivilgesellschaftlichen Akteuren regelmäßig Mahnwachen statt – und das mit Erfolg: Im vergangenen Jahr wurden mit Hilfe von Mahnwachen in mehreren Städten (z.B. in Leipzig, Dresden und Plauen) Aufmärsche von Neonazis behindert oder gar verhindert. Die AG will Menschen und Initiativen unterstützen, die sich gegen rechtsextreme Parolen und ihre Protagonisten stellen. Dafür bietet sie Vernetzungsplattformen an und organisiert themenspezifische Veranstaltungen.

Mit der bisherigen Resonanz auf die Mahnwachen ist Pfarrer Maischner zufrieden: „Wir haben bisher sehr viele positive Reaktionen erhalten. Die Mahnwachen wirken wie ein ruhiges Zentrum in der aufgewühlten Debatte.“ Doch er berichtet auch von kritischen Stimmen, die der Arbeitsgemeinschaft eine Konzentration auf rechte Gewalt und eine Vernachlässigung des Linksextremismus vorwerfen. Karl-Heinz Maischner wünscht sich daher auch innerhalb der Landeskirche noch mehr Unterstützung für sein Projekt.

Bei vielen Gemeindemitgliedern scheinen die von der AG organisierten Mahnwachen auf jeden Fall für einen Zuwachs des Interesses am Thema Rechtsextremismus gesorgt zu haben. Nach eigenen Angaben sind bei den Mahnwachen am 19. Februar 2011 fast 6.000 Menschen aktiv oder als Besucher zugegen gewesen. Damit wurde ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Rechtsextremismus nicht einfach so hingenommen wird. Auch in Zukunft sollen die Mahnwachen als stille Form des Protests weitergehen.

*Timo Reinfrank ist Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung.
 

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