RAA Hoyerswerda/Ostsachsen

Von Prof. Dr. Andreas Zick*

Seit den fremdenfeindlichen Übergriffen von 1991 ist Hoyerswerda bundesweit als rechtsextreme Hochburg bekannt. Dem entgegen wirkt die örtliche Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA) mit interkulturellen Bildungsangeboten wie der Grundschulaktionswoche „Kinder der Welt“. Die SchülerInnen Hoyerswerdas haben kaum Kontakte zu Menschen mit Migrationshintergrund. Ihr Bild von Menschen anderer Herkunft und von anderen Kulturen beruht mehr auf Erzählungen und Fernsehsendungen als auf direkter Erfahrung. Im Rahmen des Grundschulunterrichts soll den Kindern deshalb langfristig der Zugang zu anderen Kulturen ermöglicht werden. Die Grundschulaktionswoche bildete dabei einen attraktiven Höhepunkt, gerade auch für die Eltern und die Bürgerschaft Hoyerswerdas.

Das Projekt mit 900 GrundschülerInnen von vier Schulen wurde ins Leben gerufen, um den Kindern frühzeitig Berührungspunkte zu anderen Kulturen zu bieten und sie Wissen und eigene Erfahrungen sammeln zu lassen. Die Kinder werden darin bestärkt rassistische Ressentiments und Äußerungen zu erkennen und ihnen entgegnen zu können. Jens Wetzel von der RAA Hoyerswerda erklärt, dass es wichtig ist, „so früh wie möglich mit der Arbeit für Toleranz anzusetzen, um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, dass rassistisches Gedankengut an die Kinder weitergegeben wird.“

In der vergangenen Aktionswoche beschäftigten die SchülerInnen sich intensiv mit anderen Ländern und Kulturen und erarbeiteten eigene Präsentationen, die sie am Abschlusstag auf der Bühne zeigten. Neben der inhaltlichen Bearbeitung verschiedenster Themen gab es ein vielfältiges kulturelles Programm. Besonders stachen die Auftritte der Künstlergruppe Black & White und des chilenischen Schriftstellers und Liedermachers Sergio Vesely hervor. Zudem konnten die Kinder selbst aktiv werden, beispielsweise mit Trommeln, Yoga und dem Schreiben von chinesischen Schriftzeichen. Auch wurden Filme gezeigt und unter dem Motto „Fair Play“ fand eine Kinderolympiade statt.

Während die Reaktionen von BürgerInnen und LehrerInnen durchweg positiv waren, blieb die Wahrnehmung in Medien außerhalb Hoyerswerdas zum Bedauern der OrganisatorInnen bisher aus. Die Jährung der Anschläge hingegen fand große Beachtung, was das vorherrschende Bild von Hoyerswerda weiter festigt. Mit der Weiterführung der interkulturellen Bildungsarbeit an den Grundschulen geht die RAA nachhaltig sowohl gegen Fremdenfeindlichkeit als auch gegen die Stigmatisierung Hoyerswerdas an: „Wir wollen mit den Kindern etwas Sinnvolles tun und dabei ein Zeichen für die Stadtbevölkerung und nach außen setzen. Hoyerswerda ist nicht einfach diese braune Hochburg, hier wird auch Gutes getan“, betont Jens Wetzel.

*Jurymitglied Prof. Dr. Andreas Zick arbeitet am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.
 

Die Preisträger 2011