Ermutigung zum Engagement - Der Förderpreis 2012


Nach der Selbstenttarnung dreier Neonazis, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, bezeichneten, rückte der Freistaat Sachsen in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Schnell bestimmte die „Zwickauer Zelle“ die Berichterstattung. Wie war es möglich, dass Zschäpe, Mundlos und Böhnhard jahrelang in der Kleinstadt im Südwesten Sachsens leben konnten, ohne dass irgendjemand etwas bemerkte? Im Freistaat spricht man nicht gern von der „Zwickauer Zelle“, schließlich sei das Trio doch aus Thüringen gekommen.
 
Die Reaktion ist nachvollziehbar und dennoch erscheint die Diskussion, ob nun „Zwickauer Zelle“ oder „Thüringer Trio“ der geeignetere Begriff für die rechtsextremen Mörder sei, nebensächlich. In manchen Regionen Sachsens konnte sich über Jahre hinweg eine rechtsextreme Alltagskultur etablieren – vollkommen unabhängig vom Terror des selbsternannten NSU.
 
Seit 2004 ist die NPD im Landtag vertreten, die Neonazis zogen damals mit einem Rekordergebnis von 9,2% in das Landesparlament in Dresden ein. In einigen Gemeinden machten mehr als 20% ihr Kreuzchen bei den Rechten. Bei den Wahlen 2009 wurden deutlich weniger Wählerstimmen erreicht, dennoch ist die NPD weiterhin mit acht Sitzen im Parlament vertreten.
 
Die NPD ist jedoch nicht die einzige Gefahr von rechts. Freie Kameradschaften, „Autonome Nationalisten“ und lose organisierte Jugend-Gangs verbreiten rechtsextreme Hetze auch ohne Parteibuch. Die Neonazis schüchtern Andersdenkende ein, bedrohen Migrantinnen und Migranten oder grölen ihre Parolen auf Volksfesten. Und sie schlagen zu – immer wieder.

Vor Gewalt schrecken die Neonazis nicht zurück, sie prügeln, schmeißen Steine und Flaschen, zerstören Schaufenster von Wahlkreisbüros demokratischer Parteien oder die Autos ihrer „politischen Feinde“. Sie arbeiten daran, ein Klima der Angst zu schaffen, für alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen.

Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die den Neonazis nicht das Feld überlassen möchten. Die hinsehen, aufstehen und einschreiten. Menschen, die sich für die Stärkung der Demokratie einsetzen und sich vor Ort gegen Rassismus und Antisemitismus engagieren. Die sich nicht einschüchtern lassen und für ein gewaltfreies, weltoffenes Miteinander eintreten.

Diese Menschen verdienen höchsten Respekt. Mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie soll diese Anerkennung erwiesen werden.  Der Preis leistet dabei einen kleinen, aber wichtigen Beitrag. Mut gegen rechtsextreme Dominanz, Engagement gegen Menschenfeindlichkeit und Ungleichbehandlungen, die Stärkung der demokratischen Kultur sind wichtige Pfeiler unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Der Preis soll diejenigen auszeichnen, die mit gutem Beispiel vorangehen und alle ermutigen, eine gewaltfreie und demokratische Zukunft mitzugestalten.