Die Jury 2012


 

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Wolfgang Tiefensee, MdB, Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie"

"In Sachsen gibt es viele beeindruckende Initiativen gegen Rassismus und Diskriminierung, bei denen sich unzählige Menschen ehrenamtlich engagieren ohne dass dies in der Öffentlichkeit angemessen gewürdigt wird. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie hebt diese Menschen hervor und unterstützt ihre Arbeit. Dieses Mutmachen und Anerkennen ist unersetzlich. Daher bin ich stolz darauf, der Jury dieses Preises angehören zu dürfen."

 

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Carsten Thurau, Leiter ZDF-Landesstudio Sachsen

"Immer wieder berichten wir Journalisten über rechtsradikale Strukturen in Sachsen, über rechte Gewalt und Menschen, die Opfer geworden sind, nur, weil sie eine andere Hautfarbe haben oder eine andere politische Einstellung. Immer wieder spüren wir auch, wie dieses Problem heruntergespielt und verharmlost wird. Deswegen ist das Engagement gegen Rechts so wichtig. Diese Menschen erhalten durch den Förderpreis eine dringend notwendige Anerkennung für ihren Mut und für ihr Verantwortungsgefühl. Ihnen gehört auch die Aufmerksamkeit in den Medien."

 

Foto: Klaus Knuffmann, c

Anna-Laura Seidel, Projektleiterin der STERN-Aktion "Mut gegen rechte Gewalt"

"Seitdem die NSU-Terrorzelle im vergangenen November explodiert ist, wird das Thema Rechtsextremismus diskutiert, wie schon lange nicht mehr. Was Experten und engagierten Bürgern stets bewusst war, stößt bei der breiten Masse, aber auch bei Politikern, auf überraschte Gesichter: das braue Treiben hat nie aufgehört - die Ausmaße sind schlimmer, als angenommen. Es erscheint heute wichtiger denn je, sich gegen Rechtsextremismus auszusprechen und für Initiativen sowie Projekte zu kämpfen, die sich für ein demokratisches und buntes Deutschland engagieren. Ich freue mich, gemeinsam mit vielen weiteren engagierten Menschen in der Jury, für die Werte der Demokratie, Weltoffenheit und die Anerkennung der Menschenrechte zu kämpfen."

 

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Rupert von Plottnitz, Vorsitzender der Sebastian Cobler Stiftung

"Die haarsträubenden Vorgänge um den NSU zeigen, dass und warum der Verfassungsschutz gegenwärtig für alles andere als einen Förderpreis für Demokratie in Frage kommt. Umso wichtiger sind der Mut und das Engagement, mit dem sich so viele zivilgesellschaftliche Initiativen gegen den braunen Ungeist zur Wehr setzen, der auch und gerade von Sachsen aus versucht, die Demokratie und ihre Werte unsicher zu machen."

 

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Dr. Dorothee Freudenberg, Kuratoriumsvorsitzende der Freudenberg Stiftung

„Mit dem sächsischen Förderpreis für Demokratie würdigen wir den Mut, die Wachheit und die Zähigkeit der Menschen, die sich alltäglich dem dumpfen und gewalttätigen Fremdenhass entgegenstellen. Sie sind der Stachel gegen die Gleichgültigkeit und Resignation der schweigenden Mehrheit und ohne sie wäre an vielen Orten die Demokratie längst im braunen Sumpf erstickt. Statt sie als Nestbeschmutzer zu verunglimpfen, sollten sie als der wahre Verfassungsschutz anerkannt werden.“

 

Foto: Fabian Heublein, c

Bastian Wierzioch, Redakteur und Reporter bei MDR Figaro

„Demokratie-Initiativen spielen Schlüsselrollen in den Kommunen. Sie sind Andockstationen für aktive Bürgerinnen und Bürger, die über das „Vehikel“ Initiative ihr Lebensumfeld selbstbewusst mitgestalten. Und niemand - auch nicht die Polizei - kann ein Gemeinwesen besser vor Rechtsextremisten und Menschenverachtern schützen als aktive, selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger. Als Reporter erlebe ich allerdings häufig Landes- und Kommunalpolitiker, die noch immer, die Zivilcouragierten vor Ort zu wenig auf dem eigenen Radar haben oder die Aktiven sogar ignorieren, diffamieren, boykottieren. Oft sehen sich die Akteure auch dem weltfremden Vorwurf der Nestbeschmutzung ausgesetzt. Dabei ist klar: Erst gelebten Rechtsextremismus vor Ort zu ignorieren und demokratische Akteure zu behindern, beschmutzt das Nest, und zwar nachhaltig. Auszeichnungen wie der Sächsische Demokratiepreis sollen den zivilcouragierten Bürgerinnen und Bürgern konkret vor Ort Rückenwind geben für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und für ein friedvolles Miteinander.“

 

Foto: Ralf Rebmann, c

Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung und Mitglied des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung

"Wer ist dort, wo der rechtsextreme Terror den Alltag von allen Menschen behindert und zerstört und Menschenleben gefährdet? Wie sähe Sachsen heute aus ohne die vielen zivilgesellschaftlichen Projekte, die sich still und laut mit jenen auseinandersetzen, die die Substanz unserer Demokratie gefährden? Unsere Studien zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in den letzten Jahren haben uns deutlich gemacht, dass sich gerade da, wo die Zivilgesellschaft sich zurückzieht und auf staatliche Kontrolle setzt, die Menschenfeindlichkeit einnistet. Wir brauchen mehr Projekte, statt weniger. Der Förderpreis steht auch dafür."

 

Foto: AAS, c

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung

„Rechtsextreme Gewalt und Rassismus gehören in vielen Regionen zum Alltag. Viele Vorfälle finden sich als Randnotiz in der Zeitung wieder, von den meisten aber bekommt die Öffentlichkeit nichts mit. Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die sich vor Ort gegen die Neonazis einsetzen, gegen Gewalt, Einschüchterung und Diskriminierung. Mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie möchten wir ein Zeichen der Anerkennung setzen und das Engagement derjenigen Menschen würdigen, die sich tagtäglich für eine demokratische Zivilgesellschaft einsetzen.“

 

Foto: Privat, c

Arno Köster, Autor, Moderator und PR-Berater

"Ich habe in meiner Familie hautnah erlebt, wie traumatisierend die Zeit des Dritten Reiches für viele war. Meine Oma verlor durch den Krieg zwei Söhne, ihr Mann wurde von den Nazis umgebracht, weil er ihre perversen Ideologien nicht teilen wollte. Mein Vater war als 14jähriger Flakhelfer und musste miterleben, wie neben ihm Freunde gefallen sind. Eine gestohlene Jugend, die ihn ein ganzes Leben lang verfolgt hat. Erst spät konnte er darüber reden, so groß war das Trauma. Seine Erzählungen vom Drill in der Hitlerjugend und der Grausamkeit des Krieges haben mich keineswegs begeistert, sondern schockiert und geprägt. Schon als Teenager war mir klar, dass jeder aufstehen muss, wenn heute die neuen Nazis mordend durchs Land ziehen, oder Menschen intolerant gegenüber Andersdenkenden sind. Wehret den Anfängen, der Schoss ist fruchtbar noch ! Denn wenn die Generationen nicht mehr da sind, die das Dritte Reich entweder miterlebt oder - wie ich - durch schockierende Erzählungen erfahren haben, besteht die Gefahr, dass sich Geschichte doch wiederholt. Ich habe grossen Respekt vor der Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen, die oft mit bescheidenen finanziellen Mitteln auskommen müssen oder von Neonazis bedroht und angegriffen werden. Sie sind wichtige Mahner und Widerständler in einem Land, in dem die meisten Menschen sich wegducken, oder die Probleme klein reden wollen."

 

Foto: Nilz Boehme, c

Sebastian Krumbiegel, Sänger und Pianist ("Die Prinzen")

"Nicht erst die Ende letzten Jahres ans Licht gekommenen Morde der "Zwickauer Terrorzelle" sollten uns bestärken, dass der Kampf gegen Nazis wichtiger denn je ist, auch der öffentliche Umgang damit. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie ist ein wichtiges Standbein dabei, denn er bestärkt und ermuntert die vielen engagierten Leute, die sich jeden Tag aufs neue dafür einsetzen, dass Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Fremdenfeindlichkeit in unserem Leben nichts zu suchen haben."