Die Hauptpreisträger 2013

Aus dem Rahmen der zehn nominierten Projekte wurden folgende Hauptpreisträger mit dem Sächsischen Förderpreis 2013 in Höhe von je 5.000€ ausgezeichnet:

 

Vertreter des Soziokulturellen Zentrums, Foto: © Verena Spilker

Soziokulturelles Zentrum Alte Brauerei, Annaberg-Buchholz

 Als der ehemalige SS-Führer Erich Priebke am 29. Juli diesen Jahres verstarb, klebten Neonazis an vielen Stellen im Annaberger Stadtgebiet zur Erinnerung Plakate. Die Neonazis aus Annaberg fallen immer wieder durch Sprühereien, Aufkleber des „Freien-Netz-Süd“ und der Jungen Nationaldemokraten oder durch verbale und teilweise auch körperliche Angriffe auf Andersdenkende und Menschen, die nicht in das rassistische Menschenbild der Neonazis passen, auf. Gleichzeitig ziehen junge Menschen in größere Städte, den Verbleibenden fehlen die Perspektiven und die subkulturelle Szene, besonders der musikalische Bereich, wird von rechtsextremen Einflüssen bestimmt.


Das Soziokulturelle Zentrum Alte Brauerei e.V. in Annaberg-Buchholz arbeitet seit Jahren gegen diese negativen Entwicklungen: „Mit einer gesunden soziokulturellen Mischung stellen wir uns gegen Rechtsrock und eine verstärkten Dominanz rechter Organisationen im Erzgebirge. Wir verstehen den soziokulturellen Ansatz als Demokratie in Reinform. Kultur von ALLEN für ALLE“, erklären die Mitglieder der Initiative.


Die Alte Brauerei ist als gemeinnütziger, mitgliedschaftlich organisierter Verein aufgebaut, der sich für ein demokratisches, solidarisches und kreatives Miteinander nicht nur in Annaberg-Buchholz, sondern im ganzen Erzgebirgskreis und über die Grenzen hinweg zwischen Tschechen und Deutschen, aber auch auf internationaler Ebene einsetzt.


Die Initiative betätigt sich in der offenen Jugendarbeit und der Kindermedienarbeit, sie fördert Nachwuchs- sowie Amateurkunst und leistet Bildungsarbeit als Mittel gesellschaftlichen Diskurses. Ihre Arbeit zielt darauf ab, eine lebendige, lebenswerte Kultur zu schaffen, Menschen zu vernetzen, Demokratie zu stärken und Toleranz zu fördern. Sie bietet Kurse zu afrikanischem Trommeln, Salsatanzen, Tschechisch-Sprachkurse und Computerworkshops für Kinder an. Mit einem Tanztee für ältere Menschen leistet sie einen Beitrag, um mit ihrem Programm unterschiedlichen Generationen gerecht zu werden. „Vom Jugendwahlstammtisch, über einen Diskussionsabend zum Thema Rechtsradikale in der Musikszene, bis hin zur Zeitzeugengesprächen haben wir alles mit dabei“, berichten die Mitglieder der Alten Brauerei.
Der besondere Wert der Initiative liegt darin, ein außerschulischer Bildungsort zu sein, der an die Interessen der Jugendlichen anknüpft, von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet wird. Oberste Zielstellung dabei ist die Befähigung zur Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement. Zum Angebot der Initiative gehören deshalb nicht nur kulturelle Angebote wie Konzerte, Ausstellungen oder interkulturelle Sportfeste, sondern auch Seminare zu den Themen Gewaltprävention, Rassismus oder auch „Geschlechterbilder in der Neonaziszene“.
   

Soziokulturelles Zentrum Alte Brauerei e.V.
 

Vertreterinnen der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Foto: © Verena Spilker

AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Die Zahl der Asylsuchenden in der Sächsischen Schweiz – Osterzgebirge ist wie in der restlichen Bundesrepublik in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Leider befasst sich die Politik kaum mit der veränderten Situation. Sie berücksichtigt weder die daraus folgenden Probleme für die Flüchtlinge, noch ihre Bedürfnisse ausreichend. „Durch die Mitarbeit der AG Asylsuchende am Konzept der Unterbringung Asylsuchender im Landkreis konnte in den letzten Jahren bei zunehmenden Flüchtlingszahlen der Anteil der dezentral untergebrachten Menschen von nahezu Null auf 50 Prozent erhöht werden. Der Alltag der Menschen ist aber weiterhin von fehlendem Zugang zur deutschen Sprache, Perspektivlosigkeit, mangelnden Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe und Rassismus geprägt. Kirchgemeinden, Sportvereine, soziale und kulturelle Einrichtungen haben diese Menschen nicht im Blick“, kritisiert die AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Auch der Rassismus in der Region bleibt weiterhin ein ernstes Problem: „Am 20. August 2013 wurde im Landkreis ein Asylsuchender aus Pakistan auf dem Weg in die Flüchtlingsunterkunft in Schmiedeberg von einer Gruppe junger Männer rassistisch beschimpft und zusammengeschlagen“, berichtet die Initiative.


In der AG Asylsuchende haben sich deshalb unterschiedlicher Vereine, Initiativen und engagierte Einzelpersonen zusammengeschlossen, um neue, bessere Unterkünfte für Asylsuchende zu finden und ihre Integration in die lokale Gemeinde zu unterstützen. Mit einer Reihe von Projekten und Veranstaltungen bietet die Gruppe den Asylsuchenden Abwechslung im Alltag und verstärkt den Kontakt zu der Gemeinschaft. Zu den Angeboten und Aktionen zählen Deutschkurse, Gesprächsnachmittage, Sommerfeste, Sammelaktionen für Wintersachen und Fahrräder, die Einrichtung einer Fahrradwerkstatt sowie Gespräche in Kirchgemeinden, Konventen und im Gemeinderat. Auch der gemeinsame Besuch von Fußballspielen des SG Dynamo Dresden gehört zum integrativen Programm der AG Asylsuchende, das sie in Kooperation mit der antirassistischen Faninitiative 1953international organisiert.
Die AG will mit ihrer Arbeit sowohl die Lebenssituation der Flüchtlinge im Landkreis verbessern, als auch die Sensibilisierung der Mehrheitsgesellschaft für die Situation der Asylsuchenden und den Abbau von Vorurteilen erreichen. Es ist ihr Ziel, die Asylsuchenden unterstützen, damit sie sich im täglichen Leben zurechtzufinden. Sie organisiert Begegnungen zwischen den Flüchtlingen sowie Einwohnerinnen und Einwohnern der Region, weil es ihr wichtig ist, den Flüchtlingen zu zeigen, dass es Menschen im Landkreis gibt, die sich für sie interessieren und engagieren. Dadurch gibt die AG Asylsuchende ein Beispiel wie eine wirkliche „Willkommenskultur“ für Asylsuchende und Geduldete aussehen kann.


Bereits kurz nach der Gründung der AG gab es erste Erfolge. Durch ihren Einsatz wurde die Ausgabe von bevormundenden Essenspaketen durch die Auszahlung von Bargeld ersetzt und dadurch die Selbstbestimmung der Asylsuchenden gestärkt. Einen weiteren wichtigen Schritt konnte die AG Asylsuchende durch die Mitarbeit zur Konzeption für die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge im Landkreis erzielen. Seit Mitte 2012 gibt es zwei Heime mit maximal 120 Personen und über 150 dezentral untergebrachte Menschen. Trotz dieses bedeutenden Fortschritts für die Stärkung der Rechte der Asylsuchenden, bleibt die Arbeit der Gruppe schwer: „Unsere kritische Begleitung von Politik und Verwaltungshandeln findet im Landkreis wenig Anerkennung“, erklärt die Arbeitsgruppe. Gerade weil sie sich so unermüdlich für die Asylsuchenden einsetzt und bewundernswerte Erfolge erzielt, ihr aber trotzdem nicht die nötige Anerkennung entgegen gebracht wird, ist es um so dringlicher, ihre Arbeit zu würdigen und öffentlich zu machen. Ihr zivilgesellschaftliches Engagement ist im ländlichen Raum besonders wichtig, weil sich hier vermehrt Vorurteile und intolerante Einstellungen zeigen.

  

AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge