Bürger.Courage e.V., Dresden


„Wir träumen davon, dass sich Bürger.Courage auflöst, weil Engagement und ‚Gesichtzeigen’ für Demokratie und gegen Rechts zu Dresdner Selbstverständlichkeiten geworden sind.“ Diese Vision, nachzulesen auf der Internetseite des Vereins Bürger.Courage e.V., ist es, die seine Mitglieder und Macher immer wieder antreibt und in ihrem Engagement nicht müde werden lässt. Mit bewusst niederschwellig angesetzten, kreativen und vor allem öffentlichkeitswirksamen Aktionen sollen die Dresdner Bürger immer wieder aufgerüttelt, erinnert und zum Nachdenken angeregt werden.

Alltagsrassismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und antidemokratisches Gedankengut sind die inhaltlichen Schwerpunkte, mit denen sich der Verein aktiv und kreativ auseinandersetzt. Seit fünf Jahren arbeitet Bürger.Courage völlig ehrenamtlich als überparteiliche Bürgerinitiative für Demokratie. Ziel ist es, vor allem auch die „bürgerliche Mitte“ zu sensibilisieren und zu mobilisieren, erklärt Christian Demuth, Vorsitzender des Vereins. Auf der Suche nach neuen Partnern, interessierten Einzelpersonen, städtischen Akteuren oder Unternehmen erhielt der Verein viele positive Reaktionen, aber mitunter auch erschreckende Antworten, weiß Demuth zu berichten: „Auf eine Anfrage an ein großes Dresdner Unternehmen, ob es an einer Aktion für Demokratie teilnehmen wolle, erhielten wir eine Absage. Die Gründe lauteten damals: Erstens sei eine solche Aktion für Demokratie parteilich, das Unternehmen jedoch eine neutrale Institution. Und zweitens dürfe man nicht mitwirken, weil man sonst Andersdenkende diskriminiere und provoziere.“

Mittlerweile kann der Verein jedoch auf eine lange Liste erfolgreich umgesetzter Projekte im öffentlichen Raum zurückblicken. Die dabei sichtbar gewordene Professionalität, hat Bürger.Courage e.V. und seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht nur einen guten Ruf beschert, sondern schafft auch neue Zugänge und Verbindungen. So konnten sowohl die Dresdner Verkehrsbetriebe als auch Dynamo Dresden vom Ansatz und den Ideen des Bürger.Courage e.V. überzeugt und als Kooperationspartner gewonnen werden.

Dennoch bleibt die eigene Auflösung vorerst eine Vision. Das zeigt auch das aktuelle Projekt der „18 Stiche“, welches aufsehenerregend ein Jahr nach dem rassistischen Mord an Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden startete. 18 stilisierte Betonmesser wurden über das Dresdner Stadtgebiet verteilt – eins für jeden Messerstich, den Marwa El-Sherbini hatte erleiden müssen. Die Betonmesser sollten aber nicht nur an den grausamen Mord erinnern, sondern auch an den oft kaum wahrnehmbaren und doch unerträglichen Alltagsrassismus. Stellvertretend für die kleinen und großen „Stiche“, die zahlreiche Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund ihrer vermeintlichen Andersartigkeit Tag für Tag erleiden müssen, ragten die Betonmesser aus dem Dresdner Boden. Die ständigen Verletzungen, die diese Mitbürgerinnen und Mitbürger erleiden müssen, wurden auf diese Weise nicht nur sichtbar, sondern auch zum Gesprächsthema – weit über die Grenzen Dresdens hinaus.

Dr. Michael Wilhelm, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium des Innern und Mitglied der Jury 2010