Initiative Zivilcourage Hoyerswerda


Hoyerswerda – seit September 1991 ist dieser Name einer bis dato völlig unbekannten Kleinstadt geradezu ein Synonym für Rassismus und Rechtsextremismus. Unter dem Applaus von Sympathisanten und Schaulustigen griffen Neonazis damals über Tage hinweg zwei Wohnheime von Vertragsarbeitern und Asylbewerbern mit Steinen und sogar Molotow-Cocktails an und leiteten damit eine ganze Serie rassistischer Ausschreitungen in der gerade erst wiedervereinigten Republik ein. Die Folge war die Evakuierung aller Asylbewerber aus Hoyerswerda und die Flucht der meisten der in der Stadt ansässigen Vertragsarbeiter. Damals wurde Hoyerswerda „ausländerfrei“, wie es die Neonazis in Anlehnung an den nationalsozialistischen Begriff „judenfrei“ nannten. Der braune Mob hatte gesiegt.

15 Jahre später: Die Jungen Nationaldemokraten, die Jugendorganisation der NPD, organisieren 1996 aus Anlass des Jahrestages eine Demonstration mit ungefähr 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. „Für Viele hier war das zuviel. Nach diesem Ereignis trafen sich engagierte Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen und Vereinen mit dem Ziel, gemeinsam ein breites bürgerschaftliches Engagement aufzubauen. Es entstand die ‚Initiative Zivilcourage Hoyerswerda’“, erklärt Sabine Kopischke von der Kulturfabrik, die sich an dem Bündnis beteiligt. Seitdem treffen sie sich einmal im Monat, um sich fortzubilden und gemeinsame Aktionen zu planen. So wurden in den vergangenen knapp fünf Jahren zahlreiche Workshops, Ausstellungen, Theateraufführungen und Kulturfeste organisiert. Auch konnte man durch intensive Gespräche mit dem Vermieter eines Geschäfts den dortigen Verkauf von „Thor Steinar“-Kleidung stoppen. Eine beispielhafte Aktion für die tatkräftige Eigeninitiative der Engagierten stellt vor allem auch der „Frühjahrsputz“ dar: Gemeinsam mit vielen weiteren freiwilligen Helferinnen und Helfern werden dann Nazi-Aufkleber und Schmierereien entfernt und Stellen, die allzu großflächig verunstaltet sind, mit eigenen, kreativen Bildern überdeckt. Auf diese Weise trägt die Initiative aktiv dazu bei, das Stadtbild von rechtsextremer Propaganda und Einschüchterung zu befreien und ein sichtbares Zeichen gegen Rechts zu setzen.

„Das Stigma, mit dem die Bürgerinnen und Bürger von Hoyerswerda leben müssen, stärkt das Selbstbewusstsein der rechten Szene, die seit den Geschehnissen 1991 glaubt, in Hoyerswerda willkommen zu sein“, stellt Kopischke fest. „2011 werden sich die Ereignisse zum zwanzigsten Mal jähren und die Rechtsextremisten werden erneut versuchen, dieses Datum für sich zu nutzen. Es ist darum wichtig, dass sich die Bürgerinnen und Bürger der Stadt intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.“ Die Initiative Zivilcourage Hoyerswerda leistet dafür zweifellos einen wichtigen Beitrag!

Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung