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pax christi-Gruppe für Flüchtlingskontakte, Dresden


Gestrandet in einem fremden Land. Alles ist neu, alles ist fremd: das Land, die Menschen, die Lebensumstände. In der der Heimat herrschen Krieg und Gewalt. Die Zukunft ist ungewiss, die Sehnsucht: ein Neuanfang. Doch die richtigen Papiere fehlen, Gesetze in der fremden Sprache sind nicht gleich zu verstehen, Fristen laufen gnadenlos aus. Es droht die Abschiebung, eine Zeit von Angst in Haft beginnt.

Jedes Jahr sind in der Justizvollzugsanstalt Dresden 25 Plätze für Abschiebungsgefangene reserviert, weiß Ursula Mai, die die „Christliche Abschiebungshaft-Kontaktgruppe Dresden“ der internationalen katholischen Friedensbewegung pax christi initiiert und bis vor kurzem selbst koordiniert hat. „Wir helfen Menschen in außerordentlichen Notsituationen. Menschen die zur Sicherung ihrer Abschiebung gemeinsam mit Strafgefangenen in Haft sitzen“, beschreibt Mai die unhaltbare Situation und begründet damit die Tätigkeit der derzeit 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Jede Woche besuchen die Helfer im Moment mehrere Abschiebungshäftlinge. „Wir sind für die Ausländer sehr wichtige Ansprechpartner und bieten ihnen unsere Hilfe an, wo es nur geht – von Mensch zu Mensch“, so Mai. Diese Aufgabe ist keine einfache. Die große Hoffnung, eine Freilassung zu erwirken, ist für pax christi selten realisierbar. Mit persönlichen Gesprächen im Gefängnis berät die Gruppe, vermittelt wichtige Kontakte, hilft diesen Menschen in ihrer sozialen Isolation und steht ihnen menschlich bei. „Wir sind bemüht“, so Mai, „den Gefangenen darüber hinaus materielle und finanzielle Unterstützung zu bieten, um ihnen den trostlosen Aufenthalt in Haft zu erleichtern oder erste Mittel für einen Neuanfang nach der Abschiebung zu erwirken.“ Die Abschiebungshaft-Kontaktgruppe arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und ohne Fördermittel. Aber Geld ist von Nöten. Damit die Häftlinge beispielsweise mit ihren Angehörigen telefonieren können. Oder auch um einen Dolmetscher zu engagieren, der ein Gespräch überhaupt erst möglich macht. Beihilfe zu Rechtshilfekosten, Fahrtkosten und der Startgroschen in ein neues Leben sind Wünsche, die die Abschiebungshaft-Kontaktgruppe den Betroffenen gern erfüllen möchten.

Als eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche wirkt pax christi in 53 Ländern auf allen Kontinenten. Pax christi, der Friede Christi, war vielen Menschen am Ende des Zweiten Weltkrieges Hoffnung für einen friedlichen Neuanfang. Aus diesem Geist heraus entstand die pax christi-Bewegung, die heute in über 60 Ländern der Welt aktiv für Frieden und Gerechtigkeit eintritt. 1992 wurde pax christi/Gruppe Dresden mit dem Schwerpunkt Flüchtlingskontakte gegründet. Vor acht Jahren entstand daraus das Projekt „Christliche Abschiebungshaft-Kontaktgruppe“. Seither wurden fast tausend Abschiebungshäftlinge in Haft besucht. Die Kontaktgruppe von pax christi setzt sich mit ihrer Arbeit für den Schutz von Minderheiten ein und leistet einen wichtigen Beitrag zur Wahrung der Menschenrechte.

Sebastian Feydt, Frauenkirchenpfarrer und Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung Frauenkirche Dresden