Sächsischer Förderpreis für Demokratie / Die Nominierten 2010 / Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.

Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.


Im März 2010 machte die Kleinstadt Limbach-Oberfrohna von sich Reden, als sich dort unter der Federführung des CDU-Stadtverbandes das „Bündnis für Demokratie und gegen Extremismus und Gewalt“ gründete. Doch was man zunächst für eine gute Idee halten konnte, stellte sich schon bei der Gründungsveranstaltung als ein Schuss in den Ofen heraus, denn das Bündnis hatte seine Tore so weit geöffnet, dass selbst der NPD-Stadtrat Thorsten Schneider eintreten durfte. Statt sich von der NPD zu distanzieren, verteidigten sich die Initiatoren mit Verweis darauf, dass die NPD keine verbotene Partei sei. Nach einigem Hin und Her wurden auf einer Sitzung des Bündnisses, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, sowohl die NPD, als auch DIE LINKE ausgeschlossen. Ein Musterbeispiel, welch absurde Blüten die Extremismusdebatte treiben kann!

Eine Initiative, die nur zu gut aus eigener Erfahrung von dem Problem des Rechtsextremismus in der Region zu berichten weiß, ist die Soziale und politische Bildungsvereinigung e.V. Nach der Gründung im Jahr 2007 mietete der Verein einen kleinen Infoladen im Zentrum der Stadt an, um dort einen Anlaufpunkt für nicht-rechte Jugendliche zu schaffen. Doch schon vor der Eröffnung wurden die ersten Fensterscheiben eingeschlagen und Hakenkreuze an das Haus geschmiert. Trotzdem führten die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder die Arbeit unbeirrt fort, sodass schon bald der Infoladen eröffnet und erste Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. Ebenso beharrlich setzten aber auch die Neonazis ihre Übergriffe fort. „Mit der Zeit kamen immer weniger Besucher zu uns, weil unser Verein immer wieder – auch bei öffentlichen Veranstaltungen – von rechtsextremen Jugendlichen überfallen wurde. Häufig blieb es nicht bei Sachbeschädigungen, sondern auch Drohungen und schwere Körperverletzungen waren zu beklagen“, weiß Moritz Thielicke von der Bildungsvereinigung zu berichten. Nach einigen Monaten wurde es dem Vermieter schließlich zu bunt und kündigte den Mietvertrag auf.

Trotz der ständigen Rückschläge, die es zu verkraften gilt, sind die Engagierten des Vereins nicht bereit, sich dem Druck der Neonazis zu beugen. Zuletzt konnten sie mit dem „Stay Rebel“-Konzert auch überregional Aufsehen erregen. Außerdem bezogen sie neue Räumlichkeiten, die nun zum größten Teil aus Eigenmitteln instandgesetzt werden, um dort das bunte Vereinsleben bald wieder aufleben zu lassen – von Film- und Vortragsveranstaltungen, über Einkaufstätigkeiten für Senioren, bis hin zu kostenloser Nachhilfe und Kinderbetreuung. Die Vielfalt der Menschen und ihrer Ideen zeichnet die Soziale und politische Bildungsvereinigung aus – damit leistet sie auch einen wichtigen Beitrag für die demokratische Kultur vor Ort. Ein Glück, dass manche Menschen nicht so leicht kleinzukriegen sind!

Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung und Mitglied der Jury 2010