Die Preisträger 2008



„Grünau bleibt bunt“ - ein Projekt des Bunte Platte e.V. (Leipzig)

Im Leipziger Stadtteil Grünau, der von einem hohen Bevölkerungsverlust betroffen ist, treiben Rechtsextreme seit den 1990er Jahren ihr Unwesen. Mittlerweile hat sich einiges zum Positiven verändert, doch ist Grünau bei weitem kein multikultureller Stadtteil, in dem sich verschiedene Jugendkulturen wohl und zu Hause fühlen. Grünau verzeichnet heute wieder eine wachsende Anzahl rechtsextremer Aktivisten, die es häufig auf alternative Jugendliche abgesehen haben.

 

Marcel, Scarlett, Marcus und Patrick vom Verein "Bunte Platte" während der Preisverleihung in der Dresdner Frauenkirche, mit Vertreterinnen der Freudenberg Stiftung und der Amadeu Antonio Stiftung. (Foto: F. Kopetzky)

Der Verein Bunte Platte wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, demokratische und antirassistische Denk- und Verhaltensmuster zu fördern, insbesondere durch offene Kinder- und Jugendarbeit, Sportveranstaltungen, Erlebnispädagogik, Bildungsarbeit und kulturelle Veranstaltungen. Bunte Platte trägt dazu bei, dass Grünau ein vielfältiger Stadtteil wird. Das wichtigste Projekt für den Verein ist derzeit die Suche nach neuen Räumlichkeiten. Entstehen soll ein Anlaufpunkt für sämtliche nicht-rechtsextreme Jugendkulturen, die an alternativen Gegenentwürfen zum Rechtsextremismus und ganz allgemein an alternativen Gesellschaftsformen und Ideen interessiert sind. Die wieder zunehmenden Aktivitäten rechtsextremer Kräfte sollen nicht dazu führen, dass sich alternative Jugendliche aus Grünau zurückziehen, sondern in die Offensive gehen. Geplant sind unter anderem ein Jugend-Infocafé als Informationsquelle für politische und kulturelle Themen, Filmabende, Diskussionen zu Themen wie „Rassismus im Sport“, Internetworkshops und Konzerte. Das Amt für Stadterneuerung der Stadt Leipzig und das Jugendamt unterstützen den Verein. Das Vorhaben kann jedoch nur mit einer zusätzlichen Finanzierung vollständig umgesetzt werden.


„Jugendbüro Diversity“ - ein Projekt des Soziokulturellen Vereins „Treibhaus e.V.“ (Döbeln)

Der „Treibhaus e.V.“ stellt mit seiner Arbeit seit 1997 eine Alternative zu den rechtsextremen Aktivitäten im Landkreis Döbeln dar. In den 1990er Jahren hat sich hier eine rechte Jugend- und Alltagskultur entwickelt; regelmäßig kommt es zu rechtsextremen Übergriffen auf alternative Jugendliche und Migranten. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Angebot in der Region zu bereichern und soziokulturelle Arbeit insbesondere für alternative Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund zu leisten, um rassistischen und extremistischen Einstellungen frühzeitig vorzubeugen. Zentrales Anliegen ist es, die politische Bildungsarbeit aktiv zu fördern, wobei die Arbeit auf einem demokratischen Grundverständnis beruht. Zentraler Treffpunkt ist das „Café Courage“, in dem regelmäßig Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Filmabende und Workshops stattfinden.

 

Mit dem „Jugendbüro Diversity“ soll ein Ort geschaffen werden, der sich als Ergänzung bestehender Beratungsangebote versteht. Entstehen wird ein Treffpunkt, der frei von Diskriminierung jeglicher Art ist und in dem die Verschiedenartigkeit junger Menschen als Bereicherung gilt. In der Region Döbeln existieren nur sehr wenige Einrichtungen, zu denen Migranten und asylsuchende Flüchtlinge einen Zugang finden. Dieser Treffpunkt richtet sich gezielt an alle jungen Menschen, mit und ohne Migrationshintergrund. Im Jugendbüro sollen Besucher und Vereinsmitglieder bei der Antirassismusarbeit, der demokratischen Bildungsarbeit und Projekten gegen Rechtsextremismus zukünftig stärker in die Planung der einzelnen Vorhaben einbezogen werden. Das geplante Angebot beinhaltet eine individuelle soziale Beratung und Begleitung von Jugendlichen und Flüchtlingen, den Aufbau einer Jugendbibliothek und einer „Computerlounge“ sowie die Organisation der interkulturellen Woche „Prisma“. Eine noch fehlende Kofinanzierung gefährdet derzeit das gesamte Projekt.

Lesen Sie hier einen ausführlichen Artikel über den Treibhaus e. V.


 


Den Sonderpreis des sächsischen Ministerpräsidenten erhielten:


Aktion Zivilcourage e. V. (Pirna)

Die Aktion Zivilcourage ist ein Verein junger engagierter Menschen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz. Das Ziel der Initiative ist es, besonders (aber nicht ausschließlich) Jugendliche für bürgergesellschaftliches Engagement zu begeistern, um neue Perspektiven zu eröffnen und Abwanderung aus der Region zu verhindern. Durch unterschiedlichste Aktivitäten soll die Demokratie gestärkt werden, damit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt keine Chance mehr haben.

 

Das Problem: Der Landkreis Sächsische Schweiz hat sich in den letzten Jahren zu einer Schwerpunktregion der rechtsextremen Szene innerhalb Sachsens entwickelt. Der Stimmenanteil für die NPD ist gerade unter Jungwählern sehr hoch. Zwar wurde 2001 die gewaltbereite Gruppierung „Skinheads Sächsische Schweiz“ verboten, doch viele Sympathisanten sind weiterhin in rechtsextremen Kameradschaften aktiv. Alltagsrassismus und gewalttätige Übergriffe gegen Migranten und Andersdenkende sind immer noch an der Tagesordnung.

Das Handlungskonzept der 1999 gegründeten Aktion Zivilcourage ist vielfältig und bunt: Der Verein organisiert beispielsweise Infoveranstaltungen über Rechtsextremismus, Diskussionen und Workshops für Schüler oder Jugendbegegnungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten und unterstützen Betroffene rassistischer Gewalt und machen mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf Rassismus und Diskriminierung aufmerksam. Einen Höhepunkt stellt der jährlich stattfindende „Markt der Kulturen“ dar, eine gemeinsame Veranstaltung mit der Stadt Pirna und zahlreichen anderen Partnern. Die Aktion Zivilcourage ist aktiver Mitarbeiter in zahlreichen Gremien, Verbänden und Netzwerken der Region. 2008 sollen in erster Linie die Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen weiterentwickelt werden.

 


AG Markt der Kulturen (Pirna)


Aus einer Gegenveranstaltung zu einer geplanten rechtsextremen Demonstration 2002 in Pirna entstand die Idee für ein interkulturelles Fest auf dem Marktplatz. Ziel ist es, ein Zeichen für Demokratie und Toleranz und gegen Rechtsextremismus und Rassismus in der Region Sächsische Schweiz zu setzen. Einen Tag lang wird auf zwei Bühnen ein interkulturelles Programm präsentiert. Dazu gehören Konzerte, Lesungen, Tanzdarbietungen und Theateraufführungen, es gibt Ausstellungen, Diskussionen, Stände mit Kunsthandwerk oder internationalen kulinarischen Spezialitäten. Zudem stellen Kultur- und Antirassismusinitiativen, Schulen, Organisationen von und für Migranten, Vereine und demokratische Parteien ihre Arbeit vor.

 

Der Grundgedanke des Marktes ist es, die Vorurteile und Ängste auf beiden Seiten – der deutschen Mehrheitsgesellschaft wie der in Pirna lebenden Migranten – abzubauen und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Der „Markt der Kulturen“ wird durch Themenabende, Kunstausstellungen und Diskussionsrunden in den Tagen vor der Veranstaltung ergänzt. Die 2003 erstmals stattfindende Veranstaltung hat sich inzwischen als ein Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt etabliert: 2008 zählte der Markt mehr als 10.000 Besucher.

 



Für den sächsischen Förderpreis für Demokratie 2008 waren außerdem nominiert:

- BrennPunkt e. V. (Brand-Erbisdorf)

- Gerede e. V. (Dresden), Projekt „Respekt beginnt im Kopf!“

- HATiKVA – Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e. V. (Dresden), Projekt „Bildung und Begegnung statt Vorurteile und Abgrenzung“

- Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau e. V. (Torgau)

- Landesjugendpfarramt Sachsen (Dresden), Projekt „Demokratie lernen – Aufklärung gegen rechte Strategien“

- Objektiv e. V. – Verein für medienpädagogische Projektarbeit (Dresden),
Projekt „Medien für Demokratie und Toleranz – gegen Ausgrenzung und Gewalt“

- Soziokulturelles Zentrum „Conne Island“/Projekt Verein e. V. (Leipzig)