Die Preisträger 2009

 

Mitglieder des Vereins "Medinetz Dresden" nehmen in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche ihre Auszeichnung entgegen.

Medinetz Dresden e.V. (Dresden)

In Deutschland leben schätzungsweise eine halbe bis eine Million illegal eingewanderte Menschen, die hier über keinerlei Rechte verfügen, sich verstecken und aus Angst vor Entdeckung auch mit schmerzhaften Krankheiten nicht zum Arzt gehen. Laut Initiative handelt es sich dabei häufig um Krankheiten, die gut behandelt werden könnten.

Das "Medinetz Dresden" ist ein Netzwerk aus Medizinstudenten, jungen Ärzten, Psychologen und Hebammen, die illegale Einwanderer unentgeltlich behandeln und nicht an die Behörden melden. Die Mitarbeiter des Vereins machen mit Flyern und Mundpropaganda auf ihre Hilfeleistung aufmerksam und begleiten Patienten mit Sprachproblemen bzw. organisieren einen Dolmetscher. Für anfallende Material- oder Laborkosten, die ein selbstständiger Arzt nicht aus seinem Budget bezahlen kann, kommt der Verein auf. Es bestehen Kontakte mit Krankenhäusern in kirchlicher Trägerschaft, um zu diskutieren, wie "illegale" Patienten bei ihnen Operationen durchführen oder Geburten betreuen lassen können. Behandlungen dieser Art sind sehr kostenintensiv, daher wird derzeit mit den Krankenhäusern eine Pauschale vereinbart. Finanziert wird die Arbeit des Vereins durch Spendengelder und Erlöse aus eigenen Benefizveranstaltungen. Weitere Fördermittel sind dringend notwendig, um eine bessere Behandlung der Patienten und generell einen größeren Handlungsspielraum zu gewährleisten. Um die breite Öffentlichkeit für die schwierige Situation der "Illegalen" zu sensibilisieren, möchte der Verein im Sommer 2010 die Plakatausstellung "kein mensch ist illegal" in Dresden zeigen, inklusive eines Begleitprogramms mit Vorträgen von Organisationen wie z.B. Amnesty International, IPPNW oder Medico International.

Erfahren Sie mehr über die engagierte Arbeit des Medinetz Dresden e.V.

 

Christian Petry (Freudenberg Stiftung) und Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung) mit Mitgliedern des Vereins "Roter Stern Leipzig e.V.

Roter Stern Leipzig ’99 e.V. (RSL) (Leipzig)

Fußballstadien und -plätze sind Sozialräume, in denen es oft zu Diskriminierungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Diese können rassistischer, sexistischer, homophober, antisemitischer oder anderer Art sein und richten sich gegen Spieler, Trainer, Funktionäre oder Zuschauer.

Der Fußballverein "Roter Stern Leipzig" betrachtet seine soziale und gesellschaftliche Aufgabe darin, Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexuellen Präferenzen (wie andernorts häufig anzutreffen) im Fußballsport zu unterbinden. Dies geschieht im sportlichen Bereich auf unterschiedliche Weise: Spielerinnen und Spieler treffen sich zum gemeinsamen Training, der Verein nimmt an der jährlichen Mondiali Antirazzisti (internationales antirassistisches Fußballturnier) teil, im Training werden die Prinzipien des Vereins (gewaltfreie Konfliktlösung, Erlernen demokratischer Grundwerte, Integration von Spielern mit Migrationshintergrund) übertragen und umgesetzt. Die vom Verein gegründete "Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball" sensibilisiert andere Vereine und den Fußballbund der Stadt Leipzig im Hinblick auf die Themen Integration und Diskriminierung. Der Verein sieht sich jedoch nicht nur als reinen Sportverein, was der Slogan "More than Soccer" zum Ausdruck bringt, sondern engagiert sich auch auf kultureller Ebene: Im ehrenamtlich geführten Fanprojekt werden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Diskussionen und Lesungen veranstaltet.

"Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel über den Roten Stern Leipzig.

 

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich gratuliert der "Hillerschen Villa" aus Zittau zum Sonderpreis.

Hillersche Villa – Soziokultur im Dreiländereck e.V. (Zittau)

Aus einer Oberlausitzer Widerstandsbewegung gegen die SED-Diktatur Ende der 80er Jahre entstanden 1991 das "Multikulturelle Zentrum" in Zittau und das "Begegnungszentrum im Dreieck" in Großhennersdorf. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber als enge Partner, haben sich die beiden soziokulturellen Vereine der Mitgestaltung der Kultur-, Bildungs- und Soziallandschaft in der Grenzregion zu Polen und Tschechien verschrieben und zu einer Stärkung der Demokratie beigetragen. 2009 sind die beiden Vereine "fusioniert" und arbeiten unter dem Dach der "Hillerschen Villa".

Die "Hillersche Villa" sieht sich als "gemeinnütziges, mitgliedschaftlich organisiertes Unternehmen, das sich für ein demokratisches, solidarisches und kreatives Miteinander im Dreiländereck einsetzt". Abgesehen von zahlreichen Workshop- und Veranstaltungsangeboten (z.B. Musik, Filme, Literatur) beherbergt die Villa zum Beispiel eine theaterpädagogische Werkstatt, in der Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren die Möglichkeit erhalten, Themen und Situationen aus dem eigenen Lebensumfeld über die Methode des Improvisationstheaters zu bearbeiten und künstlerisch zu gestalten. Ein weiteres interessantes Projekt ist "Lanterna Futuri", ein interkulturelles Begegnungs- und Bildungsprojekt für Schüler und Lehrkräfte im Dreiländereck. Gemeinsam mit zwei soziokulturellen Vereinen aus Polen und Tschechien und in enger Zusammenarbeit mit zwölf Schulen werden in künstlerischen Workshops neue Lernformen zur Förderung von interkulturellen Kompetenzen, Eigenverantwortung, Kreativität und Teamarbeit entwickelt. In der "Geschichtswerkstatt" wird an die jüdische Kultur und Geschichte in Zittau erinnert und ein Generationen übergreifender Dialog zum Thema gefördert. Die Umsetzung erfolgt durch die Verlegung von Stolpersteinen, die Betreuung des Jüdischen Friedhofs und zahlreiche Kinder- und Jugendprojekte, Lehrerfortbildungen sowie Stadt- und Friedhofsführungen. Dies ist nur eine kleine Auswahl an Projekten der Hillerschen Villa, deren Aktivitäten hier nicht in Gänze aufgezählt werden können.

Erfahren Sie mehr über die vielfältigen Projekte in der Hillerschen Villa



Für den Sächsischen Förderpreis waren außerdem nominiert:

"AG Kirche gegen Rechtsextremismus",
ein Projekt der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen (Dresden)


Bürgerinitiative "Demokratie anstiften" (Reinhardtsdorf-Schöna / Kleingießhübel)

"Deutsch-polnisches Schülerbegegnungsprojekt Auschwitz",
ein Projekt des Beruflichen Schulzentrums Wurzen (Wurzen)


Oberlausitz – neue Heimat e.V. (Löbau)

"Peer Leadership – Training für interkulturelle Kompetenz und Demokratie",
ein Projekt des RAA Sachsen e.V. (Dresden)


Schülerinitiative gegen die NPD und andere Nazis (Dresden)

"Soziokulturelles Zentrum in Mügeln",
ein Projekt des Vive le Courage e.V. (Mügeln)



Fotos: Oliver Killig, MOMENT PHOTO