Augen auf e.V.

Von Anetta Kahane*

Gerade Ende der 1990er Jahre war die Oberlausitz unrühmlich bekannt. „Kameradschaften trieben ihr Unwesen und verbreiteten Angst und Gewalt“, sagt Sven Kaseler von Augen auf e.V. Seit Jahren schon engagiert sich die Initiative Augen auf e.V. in der Region. Sieben Festivals, viele Schulprojekte, antirassistischer Sport, Konzerttouren durch das Dreiländereck Polen-Tschechien-Deutschland, Theaterstücke und Ausstellungen haben die Engagierten veranstaltet. Dabei haben sie auch viele Unterstützerinnen und Unterstützer auf europäischer Ebene, so zum Beispiel Vaclav Hável. „Es gab aber auch negative Begleiterscheinungen – bundesweite Mobilisierung der örtlichen Nazis, Widerstand aus der Politik, fehlende finanzielle Mittel“, so Kaseler.

Jetzt ist Augen auf e.V. für den Sächsischen Förderpreis für Demokratie nominiert, der am 9. November im Dresdner Hygiene-Museum verliehen wird. „Wir freuen uns riesig darüber,“ sagt Sven Kaseler. „Zwar sind die Widerstände, mit denen wir vor zehn Jahren kämpften so nicht mehr vorhanden, aber es wachsen neue nach. Ein Beispiel dafür ist die Extremismuserklärung, welche den Verwaltungsaufwand enorm erhöht und verfassungsrechtlich sowie menschlich mehr als fraglich ist. Wir sind gezwungen sie zu unterschreiben, damit unsere Projekte und die Arbeitsstellen, die daran hängen, weiterhin Bestand haben können“, so Kaseler. „Preise wie der Förderpreis der deutschen Nationalstiftung, den wir 2009 bekommen haben, sind dabei immer auch ein gutes Pfand, wenn man sich mal wieder gegen Schubladendenken wehren muss. Eine kritische Haltung werden wir uns nicht verbieten lassen“.

An dem jährlich in Kittlitz stattfindenden Turnier „Fußball grenzenlos“ nahmen schon Teams aus Polen und Tschechien teil. Nur zu gern möchte Augen auf e.V. die Zusammenarbeit mit Initiativen aus Tschechien und Polen vertiefen. „Diese Zusammenarbeit ist wichtig für das Leben in unserer Dreiländerregion und kann viel bewegen“, so Sven Kaseler. Dabei hat Augen auf e.V. das gleiche Problem wie viele Engagierte. „Allein im Ehrenamt ist unsere Arbeit nicht mehr zu schaffen.“ Verstetigung und finanzielle Sicherheit brauchen Projekte, die etwas bewegen wollen. „Wir wollen uns an der Demokratie aktiv beteiligen und uns weiterhin gegen Widerstände querstellen. Wir werden weiterhin die Augen aufmachen und unsere Werte und Stimme nicht verlieren.“

*Jurymitglied Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung.
 

Die Preisträger 2011